Warum E-Autos besser sind als viele glauben…

Sooo, da isser endlich: Mein neues E-Auto (jaaaa, er braucht ne Wäsche…). Da mir durch einen Jobwechsel mein Dienstwagen wegfiel und ich in der letzten Zeit mit einem Dauermietwagen (eigentlich auch ein interessantes Konzept) unterwegs war, wollte ich doch wieder was „Festes“.

Aber warum eigentlich einen Stromer und keinen Verbrenner oder Hybriden? Nachfolgend meine Argumente für ein E-Auto, mit entsprechenden Quellen (ganz unten). Zwar habe ich Argumente gesammelt, aber noch keine Langzeit-Erfahrung. Da wir noch einen „Familien-Diesel“ haben, sind wir aktuell flexibler, aber vielleicht wird der auch durch einen Stromer ersetzt? Das wird sich zeigen.

Als Pendler mit im Schnitt knapp 100km am Tag ist es die perfekte Reichweite für ein E-Fahrzeug. Geladen wird dieser daheim mit feinstem VWEW Ökostrom und hoffentlich auch bald am Büro. Zudem sehe ich im Strom die Zukunft. Natürlich gibt es Szenarien in welchen aktuell E-Autos noch keinen Sinn machen, z. B. wenn man daheim nicht die Möglichkeit zum Laden hat, aber auch hier wird es künftig Möglichkeiten geben. Andere Länder machen es schon vor. Zudem wette ich, dass E-Autos gegenüber Wasserstoff im PKW-Bereich die Nase vorn haben, denn 1kg Wasserstoff benötigt 55 kWh [1]. Zudem kostet derzeit ein Kilogramm grüner Wasserstoff mindestens 2,80€ oder sogar das Mehrfache davon [2]. Nicht zu vergessen ist der Wirkungsgrad von 70 bis 80% beim Stromer gegenüber Wasserstroff mit 25 bis 35% [3]. H2 macht in einigen Bereichen viel Sinn bei allem was große Tanks hat (besonders der Schwerlastverkehr, wo ich die Schwäche des reinen E-Antriebs sehe) , denn auch der Tankprozess ist ein anderer als wie beim klassischen Verbrenner: Der Wasserstoff muss komprimiert und gekühlt werden, was bei mehreren Tankvorgängen hintereinander zu langen Wartezeiten führt.

Aber zurück zum Thema: Wieder einen Verbrenner wollte ich nicht. Die E-Autos sind mittlerweile so ausgereift, dass sie was die Reichweiten, die Ladezeiten oder auch die Batterielaufzeiten betrifft, praxistauglich sind. Zudem sind die Kosten auch deutlich einfacher zu kalkulieren: Der Strom-Preis hat bei Weitem nicht die Schwankungen wie Kraftstoffe und der Verschleiß ist nur ein Bruchteil eines Verbrenners, was auch der Grund ist, warum ich mich gegen einen Hybriden entschieden habe. Geht mal durch, welche Posten bei einem Kundendienst anfallen und welche davon mit dem Verbrennungsmotor zusammenhängen. Auch der Bremsverschleiß ist durch die Rekuperation (Energierückgewinnung) bei einem E-Auto deutlich geringer.

Nachfolgend ein paar Aussagen die man immer wieder liest und hört:

„Aber ein E-Auto ist deutlich dreckiger wenn man die Herstellung berücksichtigt“:

Ja, die Herstellung benötigt deutlich mehr Strom, aber danach sieht es wesentlich besser aus. Was in vielen Studien, bei welchen ein E-Auto nicht gut weg kommt, nur selten berücksichtigt wird, ist die Förderung, Herstellung und Transport der Kraftstoffe. Für einen Liter Diesel werden 7kWh benötigt [4]. Mit den 7kWh ist mein Model 3 schon fast 50km gefahren bevor der Diesel überhaupt einen Zentimeter bewegt wurde. Wenn ihr eine Doku oder Studie habt, schaut mal nach ob die Kraftstoffherstellung dort berücksichtigt wurde, was aber immer im Fokus ist, ist die Batterieherstellung und auch die Stromerzeugung. Klingt komisch, ist aber so. Die Berechnung, die alles berücksichtig, nennt sich „Well-to-Wheel“. Und, nebenbei erwähnt, wird Teslas Gigafactory ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben. Das schmälert den CO2-Fußabdruck massiv [5].

„Aber die armen Kinder die das ganze Kobalt schürfen müssen“*:

Ja, da ist ein Problem, ein großes sogar, aber das betrifft nur zu einem Bruchteil die E-Fahrzeuge. Denn zum einen haben Hersteller wie Tesla oder VW entsprechende Maßnahmen/Zertifizierungen, dass so ein Kobalt (welcher überwiegend aus dem Kongo stammt) nicht verwendet wird und zum anderen wird 58% des Kobalts gar nicht für Batterien verwendet [6]. Bei den 42% sind SÄMTLICHE Batterien enthalten, also neben Auto-Akkus auch E-Bikes, Handys, Notebooks, etc.. Zudem kommen neueste Akkugeneration für E-Autos ohne oder mit nur verschwindend wenig Kobalt aus [7]. Nichtsdestotrotz muss man diese Problematik angehen, aber wie gesagt, das betrifft nur zu einem Bruchteil E-Autos. Dieses Problem hätten wir auch ohne E-Autos.

„Der Lithiumabbau ist massiv umweltschädlich“*:

Also ähnlich wie beim Kobalt ist das kein exklusives Problem, denn 62,6% des geförderten Lithiums werden gar nicht für Batterien im Allgemeinen genutzt, sondern für andere Produkte [8]. Zudem ist die Gewinnung von Lithium deutlich umweltverträglicher als die Ölförderung. Z. B. schon einmal von Lithiumkatastrophen gehört? Nein? Ich auch nicht. Auch wird Lithium dauerhaft genutzt und nicht verbrannt wie Kraftstoffe. Der größte Exporteur, Chile, fördert sein Lithium in der Atacama-Wüste. Umweltverträglicher geht kaum oder? Zwar gibt es Regionen, in welchen mehr in die Öko-Systeme eingegriffen wird, es ist dennoch deutlich weniger kritisch als beim Öl. [9] Außerdem entsteht Lithium auch als Nebenprodukt bei anderen Förderungen wie z. B. Kalium. Und der (virtuelle) Wasserverbrauch? Ja, der ist hoch – so benötigt ein 64-kWh-Akku 3.840 Liter Wasser. Als Vergleich benötigt ein Kilo Kakao 27.000 Liter [10][11]. Zudem wird bei Lebensmitteln Frischwasser benötigt, beim Lithiumabbau nicht. Da reicht ungenießbares Wasser.

„Wenn alle auf E-Autos umsteigen, dann reicht der Strom nicht“:

Was passiert eigentlich, wenn alle Deutschen parallel ihr Bügeleisen einschalten? Unrealistisch? Jo, genauso wie wenn alle E-Autos parallel laden. Der Durchschnittsdeutsche fährt am Tag 36,9km [12]. Das wären bei meinem Model 3 etwa 5kWh. Über den Tag verteilt. Denn idealerweise lade ich daheim, in der Arbeit, beim Einkaufen, etc.. Aber selbst wenn viele Fahrzeuge über Nacht geladen werden, so steuert eine intelligente Ladesteuerung dem entgegen. Schließlich gibt es einen breiten Zeitraum zum Laden. Zudem wird weniger Kraftstoff benötigt, der, wie oben erwähnt, ebenfalls nicht wenig Energie zur Herstellung braucht. Im Prinzip benötigt der Durchschnittsdeutsche für seine tägliche E-Autofahrt weniger kWh als ein Liter Diesel bis er getankt wird.

„Die Batterien halten nicht lange und sind nur Sondermüll“:

Tesla gibt eine Garantie von 160.000, 192.000 bzw. 240.000km auf die Batterie, Kia 150.000km und bei VW bekommt man eine 160.000km Garantie auf seine ID.3 Batterien, wobei sich mittlerweile herausgestellt hat, dass diese deutlich länger halten. Ein Beispiel ist der Tesla der bereits eine Million Kilometer auf dem Buckel hat und der derzeitige Akku seit 476.000km hält (bei aktuell 80% Kapazität) [13]. Und wenn die Akkus ihren Zenit überschritten haben, dann bekommen sie immer noch ein zweites Leben als Stromspeicher, denn selbst mit 70% Kapazität, haben sie immer noch einen hohen Nutzwert [14]. Und auch das Recycling erreicht auch mittlerweile 90%. [auch 14].

„Elektroautos brennen häufig“:

Nein, sie brennen sogar weniger. Ein Verbrenner hat 90 Fahrzeugbrände je eine Milliarde gefahrener Kilometer, Tesla kommt z. B. nur auf zwei [15]. Was aber wirklich stimmt, ist, dass Brände von Stromern komplizierter sind, da das Fahrzeug bzw. der Akku nach dem Brand nochmal gekühlt werden muss [16]. Aber auch hier gibt es Entwicklungen für eine deutlich bessere Brandbekämpfung.

Ein E-Auto mag zwar besser für die Umwelt sein, am besten ist aber immer noch ein guter und günstiger ÖPNV, denn dieser hält Autos von der Straße fern. In meinem Fall ist das Auto leider alternativlos.
Zudem befinden wir uns bei der Entwicklung noch relativ am Anfang. Neue Technologien, gerade im Akkubereich werden kommen. Beim Verbrenner geht nicht mehr viel, der hat schließlich auch einen Vorsprung von mehreren Jahrzehnten. So werden E-Autos auch immer günstiger, laut einer Studie sind einige Modelle, unter Berücksichtigung aller Kostenfaktoren, bereits günstiger als vergleichbare Verbrenner [19].

*Es ist schon verwunderlich, dass mancher sich seit den E-Autos über die Rohstoffe aufregt. Im Prinzip ist die Aufregung nicht verkehrt, denn es gibt viel zu verbessern, aber wieso nur beim E-Auto? Es arbeiten 73 Millionen Kinder unter Arbeitsbedingungen die gefährlich und ausbeuterisch sind, darunter auch Minen (z. B. Gold, Diamanten), Textilarbeiten oder Landwirtschaft. [17] Aber scheinbar ist nur das E-Auto böse. Die neusten Klamotten vom Primark oder der Goldring scheinen weniger problematisch zu sein, obwohl die Lohnkosten hier gerade einmal 1% ausmachen. Gerade Gold ist sehr kritisch, auch was die Umwelt betrifft [18]. Einen Shitstorm habe ich beim Goldhändler aber noch nicht gesehen.

[1]https://cleanenergypartnership.de/faq/wasserstoffproduktion-und-speicherung

[2]https://emcel.com/de/was-kostet-gruener-h2/

[3]https://www.volkswagenag.com/de/news/stories/2019/08/hydrogen-or-battery–that-is-the-question.html

[4]https://www.carmart.ch/elektro/unmengen-an-energie-fuer-die-diesel-und-benzinproduktion

[5]https://www.tesla.com/de_DE/gigafactory?redirect=no

[6]https://batteryuniversity.com/learn/article/bu_310_cobalt

[7]https://www.theverge.com/2020/9/22/21451670/tesla-cobalt-free-cathodes-mining-battery-nickel-ev-cost

[8]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/159921/umfrage/verwendungszwecke-von-lithium-auf-dem-weltmarkt

[9] https://edison.media/…/lithium-aus…/24022826.html

[10]https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/wasserverbrauch-akku-elektroauto

[11]https://www.presseportal.de/pm/130544/3934035

[12]https://www.kfz-auskunft.de/news/2146.html

[13]https://www.autobild.de/artikel/tesla-model-s-eine-million-kilometer-16130445.html

[14]https://www.autozeitung.de/elektroauto-batterie-lebensdauer-entsorgung-199140.html

[15]https://www.wiwo.de/…/brandgefahr…/24457024-3.html

[16]https://www.br.de/…/wie-gefaehrlich-sind-braende-bei-e…

[17]https://www.unicef.de/…/kinderarbeit-fragen-und…/166982

[18]https://www.regenwald.org/files/de/gold-fakten-download.pdf

[19] https://theicct.org/…/EU_vehicle_taxation_Report..